Im Frühjahr 2004 habe ich einen sehr spontanen Trip nach Santiago de Chile gemacht, nachdem mein ursprünglicher Plan, meine Gastfamilie in den USA zu besuchen, geplatzt war (das wurde dafür dann aber umso ausführlicher im Sommer nachgeholt).
Die Reise war eigentlich auch mehr als ein Besuch bei Marta, einer Freundin die ich in den USA kennengelernt habe, als eine großangelegte Rucksackreise. Aber dennoch habe ich in meiner Zeit in Südamerika einiges gesehen, neben Chile haben wir nämlich auch noch einen Abstecher nach Argentinien gemacht.
Rückblickend kann ich auch sagen, dass es diese Reise war, die mir den Hauptanstoß zum Planen meiner Weltreise gegeben hat. Damals war ich doch noch eher unwissend was das Individualreisen mit Rucksack angeht :o)
Nach einem ziemlich langen Flug, meinem längsten bis dahin, bin ich relativ erschöpft, aber dennoch gespannt in der Hauptstadt Santiago de Chile angekommen. Auf der Taxifahrt zu Marta wurde mir bereits bewusst, dass südamerikanische Großstädte nicht unbedingt zu den schönsten Großstädten der Welt zählen und sich mit Sicherheit auch nicht mit den europäischen Metropolen vergleichen lassen.
Auf jeden Fall war jede Menge los auf den Straßen, der Verkehr schien seine eigenen Regeln (wenn überhaupt welche) zu haben. Hupen können sie jedenfalls sehr gut und tun dies auch bei jeder Gelegenheit, die sich bietet.
Die ersten Tage habe ich dann auch in der Hauptstadt verbracht, wobei man das Gefühl hatte, die wenigen Sehenswürdigkeiten schon sehr schnell gesehen zu haben.
Dabei ist Santiago eine ziemlich große Stadt in der mit 5-6 Millionen Einwohnern fast 40% der Chilenen wohnen. Santiago liegt in einer Art Talkessel, der von den Gipfeln der Anden eingekreist wird. Daher gibt es auch ziemlich massive Umweltprobleme, den der Smog aus der Stadt wird regelrecht in diesem Kessel gefangen. An vielen Tagen kann man nicht einmal die Berggipfel in der Ferne sehen. Angeblich soll es sogar mal Pläne gegeben haben, den oberen Teil der Andengipfel wegzusprengen, damit der smog besser abziehen kann ;o)
Ich hatte allerdings Glück, denn direkt am Ankunftstag konnte man diese seit langer Zeit einmal wieder sehen.
Die Stadt hat zwei Hausberge, einmal den Cerro San Cristobal und den kleineren Cerro Santa Lucia. Auf den ersten sind wir mit einer etwas wackelig aussehenden Seilbahn hochgefahren und konnten Santiago mit seiner Smogglocke von oben bestauen.Auf dem gleichen Berg befindet sich auch der Zoo von Santiago. Besuch im selbigen habe ich mir jedoch gespart, da ich allgemein kein großer Freund von Zoos bin und dieser schon auf den ersten Blick zu den hässlichsten der Welt gehören dürfte.
Am nächsten Tag bin ich dann auch noch auf den Hügel Cerro Santa Lucia gelaufen, der zwar eine nicht so schöne Aussicht hatte, aber dafür an sich schöner war. Außerdem habe ich an dem Tag noch die Erfahrung gemacht, dass man ohne Spanischkenntnisse in Südamerika tatsächlich ziemlich aufgeschmissen sein kann. Ich bin eine ganze Weile durch die Stadt geirrt, immer auf der Suche nach einer Post und hab bei all den Leuten, die ich angesprochen habe, nicht einen einzigen getroffen, der englisch sprach. Halt nein, ganz richtig ist das auch wieder nicht, bei einem Verkäufer bekam ich auf meine Frage : Do you speak english? - zumindest folgende Anwort: No I wish I did! Das war dann in der Tat aber auch das einzige was er sagen konnte ;o)
In der Hauptstadt wollte ich mich dann auch nicht zu lange aufhalten, weshalb ich dann Trips ans Meer nach Vina del Mar und Valparaiso geplant habe. Die beiden Städte liegen so eng beieinander, dass man sie fast als eine Stadt bezeichnen könnte. Von Santiago sind beide Städte nur eine etwa 2stündige Busfahrt entfernt. In Valparaiso haben wir uns das Haus von Pablo Neruda, dem chilenischen Literatur Nobelpreisträger angeguckt und haben uns am Strand ordentlich den Bauch mit lecker Fisch und Meeresfrüchten vollgeschlagen.
Für mich gab es hier dann auch eine Premiere…der erste Kontakt mir dem Pazifischen Ozean. Ganz schön kalt, kann ich euch sagen. Und der erste Kontakt ist mir auch gleich gut in Erinnerung geblieben…ich wurde nämlich von einer plötzlichen Welle fast überrollt und musste danach erstmal meine nassen Klamotten in der Sonne trocknen.
Nach Chile sind ja im letzten Jahrhundert sehr viele Deutsche ausgewandert und den Einfluss kann man auch noch erkennen. Nicht nur kann man an jeder zweiten Ecke Schwarzwälderkirschtorte kaufen, nein in Valparaiso gibts es sogar eine deutsche Feuerwehrstation.
In Vina del Mar konnten wir dann vor einem Museum eine der Figuren bestaunen, die auf der Osterinsel (die ja auch zu Chile gehört) stehen. Frage mich wie sie die aufs Festland geschafft haben.
Nach den Tagen in Valparaiso und Vina del Mar ging es dann kurz zurück nach Santiago, wir waren nämlich mit dem Chef von Marta’s Ehemann Kurt zum Wandern verabredet. Es ging zum Nationalpark La Campana, der etwa 200km von Santiago entfernt liegt. Dort sind wir dann den El Andinista Trek zum Gipfel des Cerro La Campana gewandert. Von oben kann man an einem klaren Tag auf der einen Seite bis zum Pazifik schauen, während man auf der anderen Seite eine wunderbare Aussicht auf die Anden hat. Der Trek auf den ca. 2000m hohen Gipfel war dann allerdings doch etwas härter als wir alle vermutet hatten. Über 5 Stunden ging es größtenteils steil bergauf und es gab nur wenig flache Stücke.Besonders im obersten Stück wurde der Untergrund extrem schwierig und da wir unseren Trek später angefangen hatten als geplant, da wir auf dem Weg in den Nationalpark noch im Stau standen, mussten wir dann unseren Aufenthalt oben stark verkürzen. Man muss ja immer bedenken, dass man noch Zeit zum Abstieg einplanen muss, so dass man noch bei Tageslicht wieder am Fuss des Berges ist.
Die Aussicht während des gesamten Treks war auf jeden Fall atemberaubend. Immer wieder haben wir unterwegs angehalten um Fotos zu schießen. Wir hatten auch aber super Wetter an dem Tag und eine weite Sicht.
Dennoch waren wir froh als wir dann auch wieder unten waren und den Trek mit einer ordentlichen Fleischplatte in einem chilenischen Restaurant gefeiert haben:o)
Am Tag nach unserem Trek haben Marta und ich uns entschlossen noch einen Abstecher nach Argentinien zu machen, da man doch relativ schnell von Santiago aus in Mendoza ist. Die Busfahrt an sich war für mich schon ein Highlight (wenngleich der Fahrstil der chilenischen Busfahrer doch etwas nervenaufreibend ist), denn die Fahrt über die Anden war einfach nur schön und der Bus einer der besten, die ich je erlebt habe. Es gab nicht super bequeme und breite Sitze mit einer Stütze für die Beine, sondern auch noch Decke, Kopfkissen und zwischendrin Tee, Kaffee und kleine Snacks :o)
An der Grenze wurden wir dann erstmal wieder ausgeladen, es gab ein paar bunte Stempel in den Pass und dann gings auch schon weiter. In Mendoza angekommen wurden wir gleich am Busbahnhof von zwei Reisenden angesprochen, die uns eine Unterkunft empfehlen wollten. Sind ihnen dann auch einfach mal gefolgt und die Sache stellte sich als Glücksgriff heraus. Wir haben bei einer älteren Dame gewohnt, die eben zwei ihrer Zimmer vermietet. Die Frau, die auch Marta hieß, war unglaublich nett, ihr Haus hatte einen schönen Innenhof mit Garten, in dem sie uns dann morgens ihr leckeres Frühstück serviert hat.
In Mendoza haben wir es uns dann richtig gut gehen lassen. Nach einer “Sightseeing Bus Tour” durch die Stadt, von der wir so gut wie nichts verstanden haben - sie war nämlich entgegen der Ankündigungen nur auf spanisch (Marta hat anfangs noch probiert für mich zu übersetzen, aber nach der ersten Stunde haben wir beide innerlich abgeschaltet und einfach nur noch die Umgebung bestaunt), haben wir die restliche Zeit in Mendoza damit verbracht durch die Stadt und über die Märkte zu bummeln, in Cafes zu relaxen und jeden Abend ein riesiges Steak zu essen! Man ich sag euch, das waren die besten, größten und billigsten Steaks, die ich jemals gegessen habe.Argentinisches Rindfleisch macht sich also nicht nur im Burger bei MacDonalds gut! ;o)
Leider hatte ich die letzten Tage immer wieder Probleme mit meiner Digitalkamera (ich glaub es war damals noch nicht mal meine eigene!) und daher habe ich von Argentinien leider nur sehr wenig Fotos.
Zurück in Santiago blieb mir dann leider nicht mehr allzuviel Zeit bis zu meiner Abreise, aber eins war für mich klar: Es gibt noch so viele schöne Ecken auf der Welt, die man bereisen sollte! Und wenn nicht in den nächsten Jahren, wann dann?? Meine Zeit in Südamerika hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht und so entstanden dann schon auf dem Rückflug die ersten Gedanken an die Weltreise. Damals war es zwar eigentlich mehr der Plan doch nochmal nach für 6 Monate nach Australien zu gehen…naja und der Rest der Homepage zeigt dann was letztendlich daraus geworden ist!